Titelfoto Schlögel

Schlögel: Nachträgliche Adaptierungen bei e-Rezept

Im Rahmen einer Recherche zur verpflichtenden Einführung des neuen e-Rezepts in allen Kassen-Ordinationen ab Juni 2022, meinte der neu gewählte niederösterreichische Ärztekammerchef, Dr. Harald Schlögel, auf die Frage, ob es angesichts massiver Kritik aus der Ärzteschaft zu einer terminlichen Verschiebung komme: „Nach derzeitigem Stand bleibt es so (wie geplant, Anm.).“

Es gebe jedoch massive Bestrebungen der Apothekerkammer (*), die „weißen Flecken“ an fehlender Hardware zu schließen. Zudem gebe es nach wie vor „Probleme bei Privat- und Suchtgiftrezepten“. Für das „Gros der verordneten Rezepte“ werde es aber keine Übermittlungsprobleme zwischen Arztpraxen und Apotheken geben, so die Annahme des obersten Kammerfunktionärs der NÖ-Ärzte. „Die Softwarefirma schickt schon heftig an alle Arztpraxen aus, damit man hier mitmacht“, so Schlögel im Telefonat.

„Man braucht taugliche Mittel an der Hand“

Auf die Frage, wonach er sich vor einiger Zeit mutmaßlich – vor allem intern – eher für eine Verschiebung der Einführung des e-Rezepts ausgesprochen habe, meinte der NÖ-Ärztekammerpräsident: „Es ist so, dass wir natürlich einmal taugliche Mittel an der Hand haben müssen, in der Erwartung, dass es funktionieren muss. Wir haben natürlich in den eigenen Reihen viele, die genau diese Fehler ganz massiv anprangern und die verlangen, dass eine Implementierung erst erfolgt, wenn alles hundertprozentig funktioniert. Auf der anderen Seite haben wir auch noch Jahre nach der Einführung der E-Card Probleme.“ Er, Schlögel, gehe daher davon aus, „dass der große Wurf kommen wird und es in den nachfolgenden Wochen und Monaten Adaptierungen geben muss“.

Wann es nun definitiv zu einer Entscheidung zur Einführung der e-Rezepte komme oder ob vielleicht doch noch aufgrund der enormen Kritik aus den Ärztereihen, eine Terminverschiebung möglich sei, könne er derzeit nichts sagen: „Mir ist diesbezüglich nichts bekannt.“

Das Telefonat wurde am 16. Mai 2022 um 17:48 Uhr geführt. Eine Entscheidung, ob das e-Rezept verpflichtend ab 1. Juni in allen Ordinationen der niedergelassenen Ärzte und Apotheken eingeführt oder ein weiteres Mal verschoben werden soll, wird auf Bundesebene beschlossen. Die Wahl des österreichischen Ärztekammerpräsidenten findet nach Abschluss der Kammerwahlen in den Bundesländern erst am 24. Juni 2022 statt. Bis dorthin heißt der amtierende Ärztekammerpräsident noch Thomas Szekeres.

(wp/18MAI2022) 

(*) Vor der Einführung der e-Rezepte fehlen in den Apotheken österreichweit dem Vernehmen nach 8.000 Geräte, die für eine klaglose Umsetzung des neuen Systems notwendig wären. Bestellte Geräte sollen erst im Spätherbst aus China lieferbar sein.

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DER STANDARD zum Thema e-Rezept und E-Medikation 

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Fotos: WP